Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die Wahl des Antriebs ist in der Schweiz keine Frage des Bauchgefühls, sondern eine kalte Rechnung: Die Gesamtkosten (TCO) über 10 Jahre können sich je nach Nutzungsprofil um über 20’000 CHF unterscheiden.

  • Ein Elektroauto ist trotz höherem Kaufpreis oft nach acht Jahren die günstigste Variante, getrieben durch tiefe Betriebs- und Unterhaltskosten.
  • Ein Plug-in-Hybrid (PHEV) rechnet sich nur für Pendler mit konsequenter Lademöglichkeit zu Hause; sonst wird er zur teuersten Antriebsart.
  • Die alte Regel „Diesel für Vielfahrer“ gilt nicht mehr uneingeschränkt, da Wertverlust und potenzielle Einschränkungen die Rechnung trüben.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihr persönliches Fahr- und Ladeprofil, bevor Sie überhaupt einen Kaufpreis vergleichen. Das ist der entscheidende Hebel.

Die Entscheidung für ein neues Auto beginnt oft mit einer grundlegenden Frage: Benzin, Diesel, Hybrid oder doch rein elektrisch? Im Showroom wirken die Unterschiede klar, doch die wahre Rechnung für Ihren Schweizer Alltag ist weitaus komplexer. Gängige Ratschläge wie „Diesel für die Langstrecke“ oder „Elektro nur für die Stadt“ greifen heute zu kurz. Sie ignorieren die entscheidenden Faktoren, die Ihre Mobilitätskosten über die nächsten zehn Jahre massiv beeinflussen – von kantonalen Steuervorteilen über den Wertverlust bis hin zu Ihrem ganz persönlichen Ladeverhalten.

Die Fokussierung allein auf den Kaufpreis ist der häufigste und teuerste Fehler. Die wahren Kosten eines Fahrzeugs offenbaren sich erst in der Gesamtkostenrechnung (TCO – Total Cost of Ownership). Genau hier liegen die versteckten Hebel, die über eine Ersparnis oder Mehrkosten von über 20’000 CHF entscheiden können. Es geht nicht darum, eine Technologie dogmatisch zu bevorzugen, sondern darum, die für Ihr individuelles Nutzungsprofil rechnerisch beste Lösung zu finden.

Dieser Artikel agiert als Ihr technologieneutraler Berater. Wir werden die oberflächlichen Verkaufsargumente durchdringen und eine präzise, auf den Schweizer Kontext zugeschnittene Analyse liefern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihr eigenes Profil bewerten, welche Fehler Sie unbedingt vermeiden müssen und wie Sie eine fundierte, wirtschaftlich nachhaltige Entscheidung treffen. So wird Ihr nächstes Auto nicht zu einer finanziellen Belastung, sondern zu einer klugen Investition in Ihre Mobilität.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, haben wir die entscheidenden Fragen und Kostenfaktoren in übersichtliche Kapitel gegliedert. Dieser Leitfaden führt Sie systematisch durch alle Aspekte, die für eine fundierte Entscheidung in der Schweiz relevant sind.

Warum ein Elektroauto in der Schweiz nach 8 Jahren günstiger ist als ein Diesel: die versteckten Kostenvorteile?

Der erste Blick auf die Preisliste kann täuschen. Elektroautos sind in der Anschaffung oft teurer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Doch eine reine Betrachtung des Kaufpreises ignoriert die laufenden Kosten, die über die gesamte Haltedauer den entscheidenden Unterschied ausmachen. Die Gesamtkostenrechnung (TCO) offenbart, dass sich das Blatt oft schon nach wenigen Jahren wendet – gerade im Schweizer Kontext.

Der Hauptgrund liegt in den signifikant niedrigeren Betriebs- und Unterhaltskosten. Ein Elektromotor hat weit weniger bewegliche Teile als ein Verbrenner. Teure Servicearbeiten wie Ölwechsel, der Austausch von Auspuffanlagen oder Kupplungen entfallen komplett. Hinzu kommen die „Treibstoffkosten“: Das Laden eines E-Autos ist, selbst bei den aktuellen Strompreisen, in der Regel deutlich günstiger als das Tanken von Benzin oder Diesel für die gleiche Fahrstrecke. Dieser Vorteil wird durch die Möglichkeit, zu Hause zu günstigeren Nachttarifen zu laden, noch verstärkt.

Ein weiterer, oft unterschätzter Hebel sind die kantonalen Steuervorteile. Viele Kantone fördern die Elektromobilität durch eine reduzierte oder gar vollständig erlassene Motorfahrzeugsteuer für E-Autos, was über die Jahre eine erhebliche Summe ausmacht. Eine Studie zu den Gesamtkosten bestätigt diesen Trend: Über eine Haltedauer von acht Jahren sind Elektroautos oft die wirtschaftlichste Wahl. Laut einer Analyse können Elektroautos bis zu 19% günstiger sein als Verbrenner, wobei die Ersparnis bei Mittel- und Oberklassefahrzeugen leicht über 10’000 Franken betragen kann.

Diese Visualisierung verdeutlicht den Verlauf der Gesamtkosten über die Zeit. Während der Verbrenner mit niedrigeren Anschaffungskosten startet, holen die höheren laufenden Kosten diesen Vorsprung schnell ein.

Kostenanalyse-Visualisierung mit Schweizer Franken-Symbolen und Fahrzeugsilhouetten

Letztlich ist es diese Kombination aus geringerem Serviceaufwand, niedrigeren Energiekosten und steuerlicher Begünstigung, die das Elektroauto langfristig zur finanziell attraktiveren Option macht. Der anfängliche Mehraufwand bei der Anschaffung wird zu einer Investition, die sich über die Jahre amortisiert.

Wie planen Sie mit einem E-Auto die Strecke Basel-St. Moritz ohne Reichweitenangst?

Die Vorstellung, mit einem Elektroauto auf einer langen Strecke wie von Basel nach St. Moritz liegenzubleiben, ist eine der grössten Hürden für viele potenzielle Käufer. Diese „Reichweitenangst“ ist zwar verständlich, basiert aber oft auf veralteten Annahmen. Mit modernen E-Autos und der richtigen Planung ist eine solche Reise heute problemlos und entspannt machbar. Der Schlüssel liegt nicht in einer maximalen Akkukapazität, sondern in einer intelligenten Routenplanung, die die Stärken des Schweizer Ladenetzes nutzt.

Die Schweiz verfügt über eines der dichtesten Ladenetze Europas. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) bestätigt, dass bereits über 15’000 öffentliche Ladepunkte in der Schweiz verfügbar sind, und die Zahl wächst stetig. Die Herausforderung ist also nicht, eine Ladesäule zu finden, sondern die richtigen Ladestopps in die Reiseroute zu integrieren. Moderne Navigationssysteme und Apps wie „ich-tanke-strom.ch“ machen dies einfach. Sie zeigen nicht nur Standorte, sondern auch die Verfügbarkeit in Echtzeit an.

Für eine anspruchsvolle Strecke wie Basel-St. Moritz, die auch Höhenmeter beinhaltet, sind einige strategische Überlegungen entscheidend. Im Winter sollte man einen Mehrverbrauch von 20-30% einkalkulieren und die Reichweite konservativer ansetzen, etwa mit 80% der offiziellen WLTP-Angabe. Ein Ladestopp kann ideal mit einer Kaffeepause oder dem Mittagessen kombiniert werden. An einer Schnellladesäule (DC) lässt sich die Batterie in 20-30 Minuten wieder auf 80% aufladen. Zudem spielen Elektroautos in den Bergen ihre Stärke aus: Bei der Abfahrt von einem Pass wird durch Rekuperation Energie zurückgewonnen, was die Reichweite wieder erhöht. Die Reise wird so zu einer Übung in vorausschauender Planung statt zu einem Wettlauf gegen den Akkustand.

Welches Hybrid-Konzept lohnt sich für Pendler mit 40 km Arbeitsweg in der Schweiz?

Für Pendler, die täglich eine überschaubare Strecke wie 40 Kilometer zurücklegen, aber am Wochenende flexibel bleiben wollen, scheint ein Hybridfahrzeug oft der ideale Kompromiss. Doch „Hybrid“ ist nicht gleich „Hybrid“. Die Wahl zwischen einem Vollhybrid (der sich selbst lädt) und einem Plug-in-Hybrid (PHEV, der an der Steckdose geladen wird) hat massive finanzielle und praktische Konsequenzen. Die Entscheidung hängt einzig und allein von der heimischen Ladesituation ab.

Ein Plug-in-Hybrid (PHEV) ist für dieses Profil nur dann die richtige Wahl, wenn das Fahrzeug täglich zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen werden kann. Mit einer elektrischen Reichweite von 40-60 km kann der typische Arbeitsweg rein elektrisch und somit sehr kostengünstig zurückgelegt werden. Der Verbrennungsmotor dient als Reserve für längere Fahrten. Für Hauseigentümer mit eigener Wallbox ist dies eine exzellente Lösung. Mieter ohne gesicherten Ladezugang sollten jedoch äusserst vorsichtig sein.

Diese Gegenüberstellung zeigt die grundlegenden Unterschiede und für wen sich welches Konzept eignet. Wie eine vergleichende Analyse des TCS aufzeigt, sind die Anforderungsprofile sehr verschieden.

Vergleich PHEV vs. Vollhybrid für Pendler
Kriterium Plug-in-Hybrid (PHEV) Vollhybrid
Elektrische Reichweite 40-60 km rein elektrisch 2-5 km bei niedrigem Tempo
Ladeinfrastruktur nötig Ja (Wallbox empfohlen) Nein
Geeignet für Hauseigentümer mit Lademöglichkeit Mieter ohne Lademöglichkeit
Steuervorteile Firmenwagen 0.9% Privatanteil Standard 1%

Wird ein PHEV nicht regelmässig geladen, verkehrt sich sein Vorteil ins Gegenteil. Man fährt permanent mit einer leeren, schweren Batterie umher, was den Benzinverbrauch in die Höhe treibt. In diesem Fall wird der PHEV zur teuersten Art, einen Benziner zu fahren. Eine Studie zeigt sogar, dass die TCO von Plug-in-Hybriden bei falscher Nutzung auf dem Niveau von reinen Verbrennern oder sogar darüber liegen kann. Für Pendler ohne Lademöglichkeit ist ein Vollhybrid daher oft die klügere und unkompliziertere Wahl.

Die 4 teuersten Fehler bei der Antriebswahl, die Schweizer Käufer bereuen: von Dieselverboten bis Ladeproblemen

Die Wahl der Antriebstechnologie ist eine langfristige finanzielle Verpflichtung. Eine Fehlentscheidung, die auf einer unvollständigen Analyse des eigenen Profils beruht, kann über die Jahre Tausende von Franken kosten. Basierend auf typischen Erfahrungen von Schweizer Autokäufern kristallisieren sich vier kritische Fehler heraus, die es unbedingt zu vermeiden gilt.

Fehler 1: Als Mieter die Ladesituation ignorieren. Der Kauf eines Elektroautos ohne eine schriftliche Zusage des Vermieters für die Installation einer Ladestation ist ein enormes Risiko. Man ist auf teure öffentliche Ladesäulen angewiesen, was den Kostenvorteil zunichtemacht. Wie Luc Tschumper von Swiss eMobility in einem Artikel für Powernewz anmerkt, ist die Situation rechtlich komplex:

Schwieriger gestaltet sich das Nachrüsten von Bestandsbauten, da es keine einheitliche Regelung gibt und die Erschliessung letztlich auf Freiwilligkeit basiert.

– Luc Tschumper, Swiss eMobility

Holen Sie sich die Genehmigung immer schriftlich, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben.

Fehler 2: Kantonale Steuerunterschiede nicht prüfen. Die Motorfahrzeugsteuer ist kantonal geregelt und die Unterschiede sind massiv. Während einige Kantone Elektroautos für Jahre von der Steuer befreien, behandeln sie andere fast wie normale Verbrenner. Dieser Unterschied kann über zehn Jahre leicht einen Betrag von über 5’000 CHF ausmachen. Prüfen Sie vor dem Kauf die exakten Regelungen in Ihrem Wohnkanton.

Fehler 3: Einen Plug-in-Hybrid ohne Lademöglichkeit kaufen. Wie bereits im vorherigen Kapitel diskutiert, ist dies einer der grössten finanziellen Fehler. Ein PHEV ist konzeptionell darauf ausgelegt, primär elektrisch zu fahren. Ohne tägliches Laden wird er zu einem ineffizienten Benziner mit hohem Mehrgewicht. Die vermeintliche Flexibilität wird zu einem teuren Bumerang.

Fehler 4: Das eigene Fahrprofil unrealistisch einschätzen. Kaufen Sie kein Auto für den Ausnahmefall. Wer zu 95% Kurzstrecken fährt, für den rechnet sich ein grosser Dieselmotor nicht – die Partikelfilter-Problematik ist hier ein bekanntes und teures Ärgernis. Umgekehrt ist ein Elektroauto mit kleiner Batterie für einen Aussendienstmitarbeiter, der täglich 400 km fährt, unpraktisch. Eine ehrliche Analyse des Alltags ist die Basis für jede gute Entscheidung.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, vom Verbrenner auf Elektro umzusteigen: 2025, 2028 oder später?

Die Frage nach dem perfekten Timing für den Umstieg auf ein Elektroauto beschäftigt viele Autokäufer. Soll man jetzt zuschlagen, auf die nächste Batteriegeneration warten oder die Entwicklung noch einige Jahre beobachten? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber eine Analyse der aktuellen Marktdynamik und der politischen Ziele in der Schweiz liefert wichtige Anhaltspunkte für die persönliche Entscheidungsfindung.

Die „Roadmap Elektromobilität“ des Bundes hat ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2025 soll der Anteil der Steckerfahrzeuge an den Neuzulassungen auf 50 Prozent steigen. Die Realität hinkt diesem Ziel jedoch hinterher. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Schweiz dieses Ziel voraussichtlich verfehlen wird. Ende 2023 lag der Marktanteil bei 32,8% Steckerfahrzeugen bei Neuzulassungen statt der angestrebten 50%. Dies deutet darauf hin, dass der Druck zur Elektrifizierung weiter zunehmen wird, gleichzeitig aber auch, dass Verbrenner und Hybride noch für einige Jahre eine relevante Rolle spielen werden.

Für die individuelle Entscheidung sind drei Faktoren massgebend:

  1. Technologischer Fortschritt: Die Batterietechnologie entwickelt sich rasant. Zukünftige Generationen versprechen höhere Reichweiten und schnellere Ladezeiten. Wer heute kauft, profitiert von einer bereits sehr ausgereiften Technologie. Wer wartet, profitiert potenziell von weiteren Verbesserungen, muss aber in der Zwischenzeit die höheren Betriebskosten eines Verbrenners tragen.
  2. Gesamtkosten (TCO): Der „richtige“ Zeitpunkt ist dann gekommen, wenn die TCO eines passenden Elektroautos die Ihres aktuellen oder eines neuen Verbrenners unterbietet. Dies kann für einen Vielfahrer mit eigener Solaranlage bereits heute der Fall sein, für einen Wenigfahrer ohne Lademöglichkeit erst in einigen Jahren.
  3. Restwertentwicklung: Die Unsicherheit über zukünftige Regulierungen (z.B. CO2-Abgaben, städtische Fahrverbote) erhöht das finanzielle Risiko für neue Verbrenner. Der Wertverlust könnte sich in den kommenden Jahren beschleunigen.

Anstatt auf einen magischen Stichtag zu warten, sollte die Entscheidung eine dynamische Berechnung sein: Der Umstieg lohnt sich, sobald die Summe aus Wertverlust und Betriebskosten eines neuen E-Autos die Kosten Ihres aktuellen Fahrzeugs unterschreitet.

Warum rekuperatives Bremsen bei Elektro- und Hybridfahrzeugen die Reichweite um bis zu 20% erhöht?

Einer der fundamentalsten und elegantesten Effizienzvorteile von Elektro- und Hybridfahrzeugen ist das rekuperative Bremsen. Es ist ein Prinzip, das den Spiess der Physik umdreht: Anstatt wertvolle Energie beim Bremsen in nutzlose Wärme zu verwandeln, wird sie zurückgewonnen und in die Batterie eingespeist. Dieses Prinzip kann die reale Reichweite, insbesondere im Stadtverkehr und in bergigem Gelände, um bis zu 20% erhöhen.

Technisch funktioniert es, indem der Elektromotor beim „Vom-Gas-Gehen“ oder leichten Bremsen seine Funktion umkehrt. Er wird zu einem Generator. Die Bewegungsenergie der Räder treibt den Motor an, der nun Strom erzeugt und diesen zurück in den Akku leitet. Der Fahrer spürt dies als sanfte Bremswirkung, sobald er den Fuss vom Gaspedal nimmt. Viele moderne E-Autos ermöglichen das sogenannte „One-Pedal-Driving“, bei dem das Bremspedal im normalen Verkehr kaum noch benötigt wird. Dies ist nicht nur effizient, sondern auch äusserst komfortabel.

Diese Energierückgewinnung trägt massgeblich zur überlegenen Gesamteffizienz von Elektroantrieben bei. Während selbst moderne Verbrennungsmotoren nur einen Wirkungsgrad von etwa 30% erreichen, liegt dieser bei Elektromotoren bei über 90%. Jeder Tropfen Energie wird besser genutzt. Dies führt auch dazu, dass die höheren Emissionen aus der Batterieproduktion schnell kompensiert werden. Dank dem sauberen Schweizer Strommix mit hohem Wasserkraftanteil sind die höheren Produktionsemissionen eines E-Autos oft schon nach rund 30’000 Kilometern ausgeglichen.

Die Technologie entwickelt sich sogar noch weiter. Zukünftige Konzepte wie das bidirektionale Laden werden es ermöglichen, das Auto nicht nur als Verbraucher, sondern auch als Speicher für das Stromnetz zu nutzen. EnergieSchweiz weist auf diesen Trend hin: „Immer mehr Elektroautos können den gespeicherten Strom bei Bedarf zurück ins Netz geben, das nennt sich bidirektionales Laden“.

Wie aerodynamische Prinzipien Ihren Verbrauch auf Schweizer Autobahnen um bis zu 15% senken können

Auf der Autobahn wird der grösste Teil der Energie nicht für die Beschleunigung, sondern für die Überwindung des Luftwiderstands aufgewendet. Dieses physikalische Gesetz gilt für jedes Fahrzeug, doch bei Elektroautos wirkt es sich direkt auf die sichtbare Reichweite aus. Wer die Grundlagen der Aerodynamik versteht und sein Fahrverhalten anpasst, kann seinen Verbrauch auf langen Strecken um bis zu 15% senken – ein entscheidender Faktor für die Gesamteffizienz.

Der Luftwiderstand steigt nicht linear, sondern im Quadrat zur Geschwindigkeit. Das bedeutet: Eine kleine Reduzierung der Geschwindigkeit hat eine überproportional grosse Auswirkung auf den Verbrauch. Die Fahrt mit 100 km/h anstelle der erlaubten 120 km/h auf der Schweizer Autobahn kann den Energieverbrauch bereits um 10-15% reduzieren. Das bedeutet zwar eine leicht längere Fahrzeit, aber eine deutlich höhere Reichweite und letztlich geringere Kosten.

Neben der Geschwindigkeit spielen auch Anbauteile eine massive Rolle. Eine Dachbox, selbst wenn sie leer ist, kann den Luftwiderstand und damit den Verbrauch um bis zu 20% erhöhen. Sie sollte daher nur montiert werden, wenn sie tatsächlich benötigt wird. Auch die Wahl der Felgen hat einen Einfluss. Grössere, offen gestaltete Felgen sind zwar optisch ansprechend, aber aerodynamisch oft ungünstiger als kleinere, geschlossene Designs. Der Unterschied zwischen einer 18-Zoll-Aero-Felge und einer 20-Zoll-Sportfelge kann 5-8% im Energieverbrauch ausmachen.

Ein weiterer, oft vernachlässigter Faktor ist der Reifendruck. Ein zu niedriger Reifendruck erhöht den Rollwiderstand, was das Fahrzeug zwingt, mehr Energie aufzuwenden. Eine regelmässige Kontrolle und Anpassung an den vom Hersteller empfohlenen Wert ist eine der einfachsten und effektivsten Massnahmen zur Verbrauchsoptimierung.

Ihre Checkliste: Verbrauch auf der Autobahn senken

  1. Geschwindigkeit anpassen: Prüfen Sie, ob eine Reduktion auf 100-110 km/h auf langen Strecken für Sie praktikabel ist, um den Verbrauch signifikant zu senken.
  2. Anbauteile inventarisieren: Demontieren Sie Dach- oder Fahrradträger sofort nach Gebrauch. Vermeiden Sie unnötige Modifikationen, die die Aerodynamik stören.
  3. Felgen und Reifen prüfen: Bevorzugen Sie beim Kauf aerodynamisch optimierte Felgen. Kontrollieren Sie den Reifendruck mindestens einmal pro Monat.
  4. Vorausschauend fahren: Nutzen Sie den Windschatten von grösseren Fahrzeugen (mit ausreichend Sicherheitsabstand) und vermeiden Sie abrupte Beschleunigungs- und Bremsmanöver.
  5. Rekuperation nutzen: Stellen Sie die Rekuperationsstufe so ein, dass Sie vor Ausfahrten oder bei Temporeduktionen sanft „segeln“ und Energie zurückgewinnen können, anstatt mechanisch zu bremsen.

Durch die bewusste Anwendung dieser aerodynamischen Prinzipien verwandeln Sie Ihre Fahrweise in ein aktives Werkzeug zur Reichweiten- und Kostenoptimierung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gesamtkosten (TCO) sind der einzige aussagekräftige Massstab; der Kaufpreis allein ist irreführend.
  • Ihr persönliches Nutzungs- und Ladeprofil ist die wichtigste Variable bei der Entscheidung – nicht die Technologie selbst.
  • Schweizer Spezifika wie kantonale Steuern und die hohe Mieterquote sind entscheidende Kostenfaktoren, die in jede Kalkulation einfliessen müssen.

Ihre persönliche Antriebsstrategie: Wie Sie jetzt die richtige Entscheidung treffen

Wir haben gesehen, dass die Wahl des richtigen Antriebs in der Schweiz weniger eine emotionale als eine streng rationale Entscheidung ist. Die Debatte „Verbrenner vs. Elektro“ wird oft von Mythen und pauschalen Urteilen dominiert. Der Schlüssel zu einer wirtschaftlich sinnvollen Entscheidung liegt jedoch in der kühlen Analyse der Zahlen, angewandt auf Ihr ganz persönliches Leben. Die Gesamtkostenrechnung ist Ihr wichtigstes Werkzeug, um die versteckten Kostenhebel aufzudecken und eine Wahl zu treffen, die sich über ein Jahrzehnt auszahlt.

Die Analyse hat gezeigt, dass Elektroautos langfristig oft die günstigste Option sind, Plug-in-Hybride nur in einem sehr spezifischen Szenario glänzen und klassische Verbrenner mit zunehmenden Risiken beim Wertverlust konfrontiert sind. Doch diese Erkenntnisse sind nur der Rahmen. Füllen müssen Sie ihn mit den Daten Ihres eigenen Alltags: Wie viele Kilometer fahren Sie pro Tag? Pro Jahr? Wo parken Sie nachts? Haben Sie Zugang zu einer Steckdose? Wie hoch sind die Steuern in Ihrem Kanton? Erst die Antworten auf diese Fragen ergeben ein klares Bild.

Lassen Sie sich nicht von allgemeinen Trends oder den Meinungen im Bekanntenkreis leiten. Deren Nutzungsprofil ist nicht Ihres. Nehmen Sie sich die Zeit, die in diesem Artikel vorgestellten Fehler zu vermeiden und die Prinzipien von TCO, Rekuperation und Aerodynamik zu Ihrem Vorteil zu nutzen. Die richtige Antriebstechnologie ist diejenige, die mathematisch am besten zu Ihrem Leben passt.

Beginnen Sie jetzt mit der Analyse Ihres persönlichen Nutzungsprofils. Nur so treffen Sie eine Entscheidung, die sich nicht nur heute gut anfühlt, sondern sich auch in den nächsten zehn Jahren für Sie auszahlt.

Geschrieben von Katharina Steiner, Katharina Steiner ist dipl. Elektroingenieurin FH und zertifizierte Expertin für automobile Elektromobilität und Antriebstechnologien. Sie arbeitet seit 13 Jahren in der Entwicklung und Beratung zu Hybrid-, Elektro- und konventionellen Antriebssystemen für den Schweizer Markt.